Atomkraftwerk absichern

Hier meine strukturierte Sammlung von Schutzmassnahmen für die Netzwerkkomponenten, die direkt die Steuerung eines Atomreaktors verantworten. Ziel: einen Angriff um jeden Preis verhindern — also Defense-in-Depth, physische Härtung, minimale Angriffsfläche, strenge Organisation/Prozesse und robuste Erkennung/Antwort.

Grafik (logische Schichten — Vorschlag)

  • Perimeter / Umgebung

    • Physische Sperren, Zutrittskontrolle, Umgebungsüberwachung

  • Externe Schnittstellen

    • Keine direkte Internet-Anbindung; kontrollierte, streng geprüfte Datentransfers

  • Demilitarisierte Zone / DMZ

    • Nur dedizierte, geprüfte Dienste (z.B. forensische Telemetrie, entfernte Wartung über jump hosts)

  • Kontrollnetzwerk / OT (Operational Technology)

    • Strikte physische und logische Trennung vom IT-Netzwerk

  • Sensors / Actuators / PLCs / I&C

    • Hart gehärtete Endpunkte mit Whitelisting, Signaturprüfung und Fail-Safes

  • Monitoring / SIEM / Forensics

    • Unveränderbare Logs, Replikation an getrennte Forensic-Sammelstellen

  • Notfall- & Fail-Safe-Mechanismen

    • Mechanische, physikalische Selbstschutz-/Shut-Down-Pfade

Detaillierte Massnahmen (gruppenweise)

  1. Physische Sicherheit

  • Mehrstufige Zutrittskontrolle (Zutrittskarten, biometrische Kontrollen, Zwei-Personen-Regel bei kritischen Bereichen)

  • Überwachungskameras, Bewegungsmelder, Glasbruchsensoren, redundante Stromversorgung (UPS + Dieselgenerator)

  • Physische Trennung von OT-Hardware in eigenen gesicherten Räumen / Schränken

  • Tamper-evident Siegel, regelmäßige Inspektionen

  1. Netzwerk-Architektur & Segmentierung

  • Vollständige physische Trennung (Air gap) zwischen sicherheitskritischem OT-Netzwerk und Unternehmens-/Internet-Netzwerken, sofern möglich

  • Falls Datentransfer nötig: Unidirektionale Gateways (Data Diodes) für Ausgänge; streng kontrollierte, manuelle Transfers in die andere Richtung

  • Mikrosegmentierung: separate VLANs/Subnetze pro Funktionsgruppe (z. B. Sensoren, Aktoren, Engineering-Workstations)

  • Firewalls mit Whitelist-Regeln (deny-by-default) zwischen Segmenten

  • Keine direkte Verbindung von mobilen Geräten/WLAN/BT zu OT

  1. Hardening der Geräte & Systeme

  • Minimale, signifikant eingeschränkte Software-Stacks auf Steuergeräten (Minimal OS, nur benötigte Services)

  • Anwendungskontrolle / Application Whitelisting auf Engineering-Workstations und HMI

  • Firmware- und Software-Signaturen; Secure Boot; Prüfen von Integrität beim Start

  • Härtungspolicies: Deaktivierte unnötige Dienste, geschlossene Ports, sichere Konfigurationen (CIS/ENISA Guidelines adaptieren)

  1. Zugriffskontrolle & Authentifizierung

  • Prinzip der geringsten Rechte (Least Privilege) für alle Accounts

  • Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) für alle privilegierten Zugriffe, inklusive Fernwartung

  • Rollenbasierte Zugriffskontrolle (RBAC) und zeitlich begrenzte Berechtigungen

  • Keine Shared Accounts; privilegierte Aktionen nur über Audit-geregelte Jump-Hosts

  • Einsatz von Hardware-Sicherheitsmodulen (HSM) für Schlüsselmaterial

  1. Fernzugriff & Wartung

  • Nur genehmigte, gesicherte Jump-Hosts in DMZ; alle Sessions aufgezeichnet und kryptographisch signiert

  • Time-boxed, per-Request genehmigte Wartung, Zwei-Personen-Freigabe-Prozess

  • Kein genereller Remote-Desktop-Zugang; nur dedizierte, abgesicherte Tools mit Session-Recording

  • Virtuelle oder physische Luft- oder Medientransferprüfungen (z. B. kontrollierte USB-Prozesse / scanning)

  1. Patch- und Change-Management

  • Strenger Change-Control-Prozess: Test in isolierter Umgebung vor Einsatz in Produktion

  • Offline/air-gapped Testlab zur Validierung von Patches/Firmware-Updates

  • Digitale Signaturen für Patches; kryptographische Verifikation vor Installation

  • Notfall-Patching-Prozess mit Rollback-Plänen

  1. Erkennung, Monitoring & Logging

  • IDS/IPS speziell für OT-Protokolle (z. B. Modbus, DNP3, IEC 61850), basierend auf White-/Blacklisting von Befehlen

  • Zentralisiertes, manipulationssicheres Logging (write-once/read-many), Replikation in separaten Forensic-Repository

  • Baseline-Verhalten (Network/Process) und Anomalieerkennung (NetFlow, Prozessvariablen)

  • Alarming mit menschlicher Eskalationskette und definierten SLAs

  1. Backup, Redundanz & Fail-safe

  • Redundante Steuerpfade (redundante PLCs/RTUs) mit automatischem Failover

  • Physikalische, mechanische Notabschaltungen unabhängig vom IT-System (safety interlocks)

  • Regelmässige, offline gehaltene Backups der Konfigurationen (verschlüsselt, signiert)

  • Geplante Ausfalltests (Failover-Übungen) und Notfallwiederherstellungspläne

  1. Supply Chain & Komponentenintegrität

  • Sorgfältige Lieferantenauswahl, Security-Klauseln in Verträgen

  • Hardware-/Firmware-Scanning bei Anlieferung; Herkunftsprüfung

  • Mindestanforderungen an Lieferanten (Secure Development, Code Reviews, Reproducible Builds)

  1. Sicherheit der Entwicklungs- und Engineering-Prozesse

  • Separates, abgesichertes Engineering-Netzwerk; Zugang nur von genehmigten Workstations

  • Code-/Konfigurationssignaturen, geregelte Bereitstellungs-Pipelines (CI/CD für OT nur in abgesicherten Umgebungen)

  • Regelmäßige Security-Reviews / Penetrationstests in geschützten Testumgebungen

  1. Personal, Organisation & Prozesse

  • Background-Checks für Personal mit Zugang zu kritischen Systemen

  • Security-Bewusstseinstraining, Phishing-Tests, klare Verantwortungen

  • Zwei-Personen-Regel (four-eyes) für kritische Operationen und Änderungen

  • Incident-Response-Team mit speziellen OT-Kenntnissen und Übungsplänen

  1. Kryptographie & Schlüsselmanagement

  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wo möglich (z. B. TLS für Managementschnittstellen)

  • Schlüssel in HSMs verwahren; regelmäßige Rotation und klar definierte Lebenszyklen

  • Keine Verwendung von Standard-/Default-Credentials; starke Passwort-Policies

  1. Testen, Audits & Compliance

  • Regelmässige Audits (intern + extern) und Red-Teaming / Purple-Teaming speziell für OT

  • Sicherheitsvalidierung nach Standards (z. B. IEC 62443, NIST SP 800-82)

  • Dokumentierte Compliance- und Risikobewertungsberichte

  1. Notfall- und Krisenkommunikation

  • Vorgefertigte Kommunikationswege zu Behörden, Betriebspersonal, externen Partnern

  • Geübte Krisenszenarien (z. B. Verhalten bei Verdacht auf Kompromittierung)

  • Rechtliche Vorbereitung, Evidence-Preservation-Workflows

Stepper: Implementationsphasen (Empfohlenes Vorgehen)

1

Planung & Risikoanalyse

  • Asset-Inventar erstellen (Hardware, Software, Verbindungen)

  • Bedrohungsmodell und Risikobewertung (attack trees, impact analysis)

  • Anforderungen definieren (Sicherheitsziele, SLAs)

2

Design & Architektur

  • Netzwerk-Segmentierung & Data-Diode-Plan

  • Physische Sicherheitsanforderungen

  • Auswahl von Härtungs- und Monitoring-Lösungen

3

Implementierung & Härtung

  • Physische Sicherungen, VLANs, Firewalls, Jump-Hosts einrichten

  • Hardening, MFA, Signaturen, HSMs deployen

  • Baseline-Monitoring etablieren

4

Testing & Validation

  • Penetrationstests, Red-Teaming, Failover-Tests

  • Patch-Tests im Air-gapped Testlab

  • Auditierung nach IEC/NIST

5

Betrieb & Wartung

  • Kontinuierliches Monitoring, Logging, Patchmanagement

  • Regelmässige Reviews, Personaltraining, Audits

  • Incident-Response-Prozesse aktiv halten

Erweiterte Details (expandables für Diskussion)

chevron-rightData Diodes / Unidirektionale Gateways — warum & wiehashtag

Data Diodes erlauben nur Datenfluss in eine Richtung (z. B. OT -> Monitoring). Dadurch wird die Angriffsfläche minimiert: kein Rückkanal für Angreifer. Wichtig: physische Prüfung, geprüfte Lieferanten, integrierte Fehlerüberwachung (z. B. Störungserkennung, Heartbeat).

chevron-rightWarum mechanische Fail-Safes wichtig sindhashtag

Elektronische Steuerungen können kompromittiert werden. Mechanische/physikalische Notabschaltungen, die unabhängig von Netzwerksteuerung funktionieren (z. B. Relais, Drucksensor-basierte Abschaltung), verhindern katastrophale Folgen bei digitaler Manipulation.

chevron-rightHärtung von PLCs / Embedded Deviceshashtag

- Entfernen unnötiger Protokolle/Ports, Firmware-Signaturen, Secure Boot - Read-only Konfigurationspartitionen - Lokales Logging, periodische Integritätsprüfungen

Hinweis / Warning

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Suggested Artefakte zur Plenumsdiskussion (zum Mitnehmen)

  • Visuelle Architektur-Skizze (Netzwerkzonen, Data-Diode, DMZ, Monitoring)

  • Priorisierte Massnahmenliste (Kurzfristig: Air-gap/Data-diode, MFA, Jump-Hosts; Mittelfristig: IDS/OT, HSM, Backup-Strategien; Langfristig: Supply-Chain & Red-Teaming)

  • Beispiel-Notfall-Playbook (Erstreaktionen, Isolationsschritte, Forensik)

Wenn ihr möchtet, erstelle ich:

  • eine konkrete Netzwerkdiagramm-Vorlage (Mermaid/PNG) mit Beschriftungen für euer Kraftwerk-Szenario,

  • oder ein präzises, priorisiertes Maßnahmenblatt (Top-10) für die erste Implementierungswoche. Welche Option bevorzugt ihr?